Zeshar

Ein den Menschen Daarons noch weitgehend unbekanntes Volk sind die echsischen Zeshar, die auf der Insel Tirhayar beheimatet sind. Das Volk besteht aus etwa viertausend Zeshar. Die Zeshar betrachten sich als Krone der Schöpfung – und halten andere Völker, die sie kennen, für unterentwickelt.

 

Gegenüber anderen Völkern sind sie also recht arrogant und überheblich, allerdings sind sie friedlichen Gesprächen, Erfahrungsaustausch und diplomatischen Beziehungen mit anderen Völkern nicht ganz abgeneigt, obwohl sie recht wehrhaft sind. Die Zeshar gehen auf zwei Beinen und haben kurze aber kräftige Arme. Die größten Zeshar erreichen eine Größe von etwa zweieinhalb Schritt.

 

Geheimnisse der Zeshar:
Die Zeshar sind nachtaktiv. Nicht, weil ihre Augen im hellen Licht besonders empfindlich sind oder sie von höheren Mächten nicht im Licht der Sonne geduldet werden, sondern weil diese Lebensart ihrer Religion entspricht. Die Echsenwesen setzen ihre Schatten ihrer Seele gleich, und tagsüber, wenn die Sonne auf sie scheint, wäre der Schatten offen zu sehen und leicht verletzbar. Auch erleidet der Schatten Schmerzen, wenn ein Zeshar sich bewegt, da er dabei über Unebenheiten des Bodens wie Steine, Hügel und dornige Pflanzen geschleift wird. So ziehen sich die Zeshar beim ersten Sonnenlicht in ihre Bauten zurück, und verbringen den Tag in Dunkelheit, um ihre Schatten, die als heilig gelten, zu schonen.

 

Nachts sind Gruppen von ihnen unterwegs, die zur Jagd oder zur Landwirtschaft eingeteilt sind. Die Jäger jagen nicht nur Tiere, sondern sammeln auch Beeren und andere Früchte, die in ihrer Umgebung ohne ihr Zutun wachsen. Die anderen, die das Land bewirtschaften, machen den kleineren Teil aus. Sie säen zähes, robustes Saatgut tag- oder nachtaktiver Pflanzen, um die sie sich dann nicht weiter kümmern müssen, als sie abzuernten.

 

Die Pflanzen sind durch Züchtungen so weit entwickelt, dass sie bestens an die Witterung angepasst sind und auch vorübergehene Trockenheit oder starke Regenfäle ihnen nur wenig anzuhaben vermögen. Auch haben ihre Saatpflanzen verschiedene Reifezeiten, sodass die Zeshar selten Hunger leiden müssen. Durch ihre ungewöhnliche Lebensweise ist es für sie auch notwendig geworden, unterschiedliche Konservierungstechniken zu entwickeln, um für magere Jahre vorzusorgen, in denen die Ernten schwach oder verdorben sind und nicht so viele Tiere gefangen werden.

 

Zusätzlich kultivieren sie in ihren unterirdischen Höhlen auch noch essbare Pilze, die zusätzlich zum Essen gereicht werden – schließlich essen die Zeshar nicht nur, um satt zu werden, sondern auch, weil es eben schmeckt. Und weil das Essen schmecken soll, wird es nicht roh gegessen, sondern auf speziellen Öfen, die mit Geysirwasser beheizt sind, zubereitet. Die unterirdischen Leitungssysteme für das Wasser aus den Geysiren sind genial durchdacht und konstruiert, kein anderes Volk könnte den Zeshar dies nachmachen.
Während die Schatten der Zeshar selbst als genauso wertvoll erachtet werden, wie ein Zeshar – vielleicht sogar als noch wertvoller – gelten Schatten von ihren Bauten, von Bäumen, Steinen und anderen Dingen jedoch als leblose Schatten.

 

Wenn ein Zeshar wiedergeboren werden will, wie es Brauch und Sitte ist, muss er sich sein Leben lang um seinen Schatten sorgen und sich darum kümmern, dass er sich nicht allzu stark manifestiert. Denn nur dann ist der Schatten zum Zeitpunkt ihres Todes kräftig genug, ihnen ein neues Leben zu schenken – dann jedoch ist es der Schatten, der ein Leben in Gestalt eines Zeshars lebt, um nach seinem Ableben wieder seinen Platz als Schatten einzunehmen. So wechselt sich die Reinkarnation der Zeshar ständig ab, mal sind sie Schatten, mal sind sie fassbares Echsenwesen. Je besser der Schatten geschont wurde, desto kräftiger und gesünder ist der Zeshar, als der er wiedergeboren wird. Würde er nicht geschont, so würde der Zeshar bald als lebloser Schatten eines unbedeutenden Baumes oder Steines vergehen.

 

Der Anführer der Zeshar verbringt sein ganzes Leben lang von Geburt an in einem unterirdischen Bau, in den keinerlei Licht dringt. Auf diese Weise geschützt, ist durchaus anzunehmen, dass der Anführer der Zeshar seit Entstehung dieses Volkes ein und derselbe ist, was jedoch nicht bedeuten muss, dass er sich an seine verganenen Leben erinnert. Ob seine Augen sich an diese immerwährende Dunkelheit gewöhnt haben, oder er genauso nicht sehend ist, wie wir, wissen wir nicht mit Bestimmtheit. Doch seine anderen Sinne müssen außerordentlich überragend sein.

 

Im Gegensatz zu ihrem Anführer haben die übrigen Zeshar schon ein wenig Licht zur Verfügung, was dank ihrer überaus guten Augen völlig ausreicht. Die Wände ihrer unterirdischen Höhlen sind mit Moosen bepflanzt, in faszinierenden Mustern angelegt, die eine einzigartige Schönheit entwickeln. Diese Bepflanzungen dienen allerdings nicht nur zur Zierde, sondern haben einen ganz nützlichen Zweck: Die Beleuchtung der sonst stockdunklen Höhlen.

 

Das Licht, das die fluoreszierenden Moose abgeben, hat einen leicht grünlichen Farbton und ist so schwach und diffus, dass ein nennenswerter Schattenwurf verhindert wird. Während andere Völker hier ohne gute Eingewöhnung im Dunkeln tappen würden, können die Zeshar ohne Probleme ihre Umgebung erkennen. Extrakte dieses fluoreszierenden Mooses werden außerdem als Tinte benutzt, die im Dunkeln gut gelesen werden kann – im Licht hat diese Tinte eine leicht Sepia ähnliche Farbe und kann daher universell genutzt werden. Länger haltbar sind Leuchtkristalle, die im Gegensatz zum Moos nicht gepflegt werden müssen und ein leicht bläuliches Licht verstrahlen, das aber ebenso diffus ist, wie das des Mooses.

 

Die Schattenreligion wird von den Zeshar als die einzig wahre und mögliche Religion für ihr Volk empfunden, niemand von ihnen zweifelt daran oder fragt nach ihren Ursprüngen – offiziell. Denn es gibt ein paar Ausnahmen, die sich nichts um ihren Schatten scheren oder zumindest ihre Bedeutung in Frage stellen und ab und zu rebellieren, indem sie tagsüber draußen unterwegs sind, ohne sich vor dem Licht zu schützen. Um die gesellschaftliche Ruhe zu bewahren, werden solche Rebellen bestraft, indem man sie “ins Licht stellt”*. Sie müssen dann einen ganzen Tag im Licht der Sonne verbringen und sich dabei bewegen. Dabei werden sie von anderen Zeshar bewacht, die mit Fernwaffen aus dem Schatten heraus auf sie schießen, sollten sie versuchen, stillzustehen um ihren Schatten zu schonen. Sollten höher gestellte Zeshar ein Verbrechen begangen haben, werden sie auf ähnliche Weise bestraft, nur sind sie aufgefordert, einen Tag lang mit Botschaftern anderer Völker zu verhandeln, jedoch nicht, wie normalerweise, in einem ihrer unterirdischen Verhandlungssääle, sondern oberirdisch und nicht vor der Sonne geschützt. Hier haben sie zumindest den Vorteil gegenüber gewöhnlichen Verbrechern, dass sie sich dabei nicht viel bewegen müssen und nicht mit Waffen bedroht werden. Natürlich ist dies eine grausame Strafe, jedoch hat sie sich bewährt und die Zeshar vor Religionskriegen und ähnlichen Rangeleien bis jetzt bewahrt.

 

Für gewöhnlich gibt es keine Wiederholungstäter, da selbst ungläubige Zeshar es als schrecklich empfinden, lange Zeit ohne Schutz im Licht der Sonne zu verbringen – denn vielleicht könnte die Sache mit den Schatten ja doch wahr sein, wer weiß?
Die wenigen Ausnahmen, die Interesse an dieser Welt bei Tage empfinden, wagen es durchaus auch, sich von ihrem Volk zu trennen und sich in die weite Welt aufzumachen. Gerüchten zu Folge gen Osten, was auch immer dort liegen mag.
Gegenüber anderen Völkern versuchen die Zeshar, so wenig Informationen wie möglich über ihre Religion bekannt werden zu lassen, da sie natürlich wissen, dass sie auch eine gewisse Schwäche darstellt.

 

* “ins Licht stellen” bedeutet für die Zeshar etwa das, was bei den Menschen als “an den Pranger stellen” bezeichnet wird. Die Schande ist dieselbe und diese Methode wird nicht nur bei Rebellen, sondern auch bei gewöhnlichen oder schweren Kriminellen angewandt.